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PRISMA.triangular table (2016)

brand Unikat

 

PRISMA Triangulaire

 

Vorbilder

Triangulaires

ROUBO führt unter den tables à manger eine Zeichnung für ein dreieckiges Tischchen d'un forme triangulaire (équilatéral) à trois couverts in barocker Manier mit geschweiften Beinen, dreieckigen Platten und Zwischenböden vor (Menuisier III. Part. Sect II Chap. V, planche 254, fig. 9, 12, Beschreibung S. 702). Häufiger sind die tables de tri (oder einfach triangulaires) als leichte und mobile servantes im Einsatz und dienen als Abstellmöglichkeit für Kaffee und Erfrischungen. Spieltischchen kommen bei Roubo auch in dreieckiger Bauart vor (ebda., planche 259). Ein typisches Konstruktionsproblem der wandelbaren tables de tri ist die Abstützung der ausgeklappten Platten. Roubo bewertet die Lösung, das dritte Bein unter die ausgeklappte Platte zu schieben, als wenig solide und schlecht funktionierende Lösung (vgl. Abb. der Fig. 3 und 4, ebda, S. 718). Andere Abstützungen am Korpus müssen jedoch die Wanderung des Schwerpunkts nach außen berücksichtigen.

Demi Lune (Halbmond) - ein Tischchen mit 1-3 Beinen, Wandkontakt und halbkreisförmiger Zarge. Platzsparende Ablagemöglichkeit zwischen 2 Fenstern.

Vorteil des geringen Platzbedarfs ist gleichzeitg auch Nachteil eines geringen Angebots an Abstellfläche. Daher typisch als untergeordnetes Beistellmöbel in beengten Raumverhältnissen mit der Möglichkeit, Platzangebot individuell zu erweitern durch Entfaltung zusätzlicher Flächen. Revival der Dreiecksform im 50er Jahre Stil als dreieckiger Tisch mit elliptisch gerundeten Ecken und Kanten und sträg gestellten, konisch-runden Beinen. IKEA LOKKA - dreieckiger, durch Umklappen quadratischer Tisch (Triangular Folding table) Designer: Tina Christensen 2004.

 

Entwurf

 

Designzeichnung

Der Grundkörper des Tisches, ein regelmäßiges Dreiecksprisma, wird an den Außenkanten so konturiert, daß eine spannungsgeladene Kurve entsteht. Obwohl ein Tischbeim wegfällt, sind dreieckige Tische aufwendiger herzustellen und daher auch selten als furniertes Massenmöbel zu finden. Die exklusive Form soll dennoch funktional sein. Aus diesem Grund bietet der Tisch Entfaltungsmöglichkeiten zur Vervielfachung der Abstellmöglichkeiten: Eine Seitenfläche ist ausklappbar, ebenso kann die Tischfläche umgeklappt werden. Ein bewegliches Teil der Tischfläche dient dann zur Abstützung.

 

Konstruktion

Der Rohbau dieses Tischchens ist in Kiefer mit durchgehenden Beinen und einer Oberzarge ausgeführt. Die Versteifung wird erreicht durch einen oberen und einen unteren Boden sowie zwei feststehenden Seitenflächen. Unterhalb der Zarge sind die Beine dreidimensional geschweift mit dreikantigem Grundprofil. Da die Zeichnung des Tisches keine rechteckigen Flächen und Profile aufweist, sind für die Sägeschnitte Hilfsvorrichtungen nötig, die das Werkstück um 60° gedreht lagern. Auf diese Weise erfolgt z.B. das Ausschneiden der Beine aus dreieckigen Kanteln mit 60°-Winkel auf der Bandsäge. Für das Schneiden der schiefwinkligen Verbindungen und Platten ist eine Formatkreissäge mit Winkelanschlag, Gehringsschnitt und Schiebetisch für Besäumschnitte zweckmäßig.

Ein dreieckiges Beinprofil stellt für das Verzapfen von Rahmenstücken 50% weniger Raum zur Verfügung als ein rechteckiger Querschnitt. Da die obere Tischplatte im 45°-Winkel in den Tisch eingesetzt ist, fällt an der Oberkante der Tischbeine innen weiteres Material weg. Scherkräfte müssen daher zum großen Teil durch die versteifende Wirkung der eingesetzten Platten und Seitenteile aufgefangen werden.

Vergrößerung der Abstellfläche

Die drei trapezförmigen Seitenflächen des Tisches sind identisch. Eine der Seitenflächen ist aufklappbar und schafft damit Stauraum unter der Tischplatte und zusätzliche Abstellfläche. Die geringe Abstellfläche kann auch durch Umklappen der Tischplatte verdoppelt werden. Da die Beine fest mit Rahmen und Seiten verbunden sind, erfolgt die Abstützung seitlich. Die Tischfläche kann an einer Seite umgeklappt werden. Dazu wurde ein Scharnierband aus einem geteilten Messingrohr und einem genau eingepaßten, durchgehenden Eisenstab hergestellt. An das Messingrohr sind Scharnierlappen mit Hartlot angebracht. Der Eisenstab kann herausgezogen und damit die Platte demontiert werden.

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dreiecksgeometrische Marketerien

Es ist naheliegend, für die Gestaltung von Flächen mit dreickigem Grundriß vom Dreieck als Grundelement auszugehen. Die Geometrie des gleichseitigen Dreiecks und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für die Parkettierung (vollständige Abdeckung mit wiederholenden Mustern) von dreieckigen Flächen findet sich in allen Flächen mit Marketerie wieder. Ist eine Dreiecksfläche mit Seiten identischer Länge a gegeben, so kann sie mit ähnlichen Dreiecken vollständig abgedeckt werden, sofern deren Seitenlänge einheitlich ein ganzzahliger Bruchteil von a ist. Diese Aufteilung ist beim unteren Zwischenfach gewählt worden.

Eine weiteres Parkett kann aus den Konstruktionslinien für ein beliebiges gleichseitiges Dreieck gebildet werden, indem man die Höhen zu jeder Seite konstruiert: Man erhält 6 rechtwinklige Dreiecke, deren Hypotenuse 1/2 Seitenlänge der Grundfläche entspricht. Verbindet man zusätzlich die Mittellinien der Grundfläche erhält man ein weiteres rechtwinkliges Grundelement, dessen Hypotenuse einem 1/4 der Grundflächenseite entspricht. Zur Parkettierung benötigt man 24 dieser Elemente, die die Grundfläche durch Verschieben und Rotation bzw. Spiegelung vollständig abdecken. Die Anordnung der Furnierteile in diesem Muster führt bei streifigem Furnier zu interessanten Glanzeffekten beim Wechsel des Betrachtungsstandpunkts durch Lichtreflexion. In diesem Muster ist das obere Zwischenfach parkettiert. Gleichseitige Rauten, kombiniert aus zwei gleichseitigen Dreiecken parkettieren natürlich ebenfalls eine gleichseitige Dreiecksfläche. Auf diese Weise wurde die geteilte Tischplatte in einem durchgehenden Rautenmuster furniert.

PRISMA parkett1PRISMA parkett2

Bei der Auswahl der Holzarten für dieses moderne Möbel kam das nur selten im Möbelbau genutzte Apfelholz als Furnier zum Zug, das für die Flächen ein cremefarbenes, leicht rötliches Splintholz und ein flammig gestreiftes Kernholz in mittelbraunen Farbtönen liefert. Apfelholz trocknet langsam und unter starkem Schwund. Schnittholz mit Kernholzanteilen, Drehwuchs und Ästen kann sich dabei heftig werfen und verwinden und muß deshalb trocken nochmals gerade geschnitten werden, was zu viel Verschnitt führt. Aus diesen Gründen ist es im Möbelbau wenig beliebt. Das Holz ist schwer (Rohdichte 0,75g/cm³), hart und zäh. Es läßt sich gut und präzise bearbeiten. Dünne Furnierstreifen schneidet man besser im feuchten Zustand und trocknet sie gepreßt mit Zwischenlagen.

Verklebung von Marketerie

Marketerieplatten aus Sägefurnier können ohne weiteres im Ganzen mit Dispersionsklebern wasserfest und hitzebeständig verklebt werden, wenn eine einheitliche Dicke der Furniere und eine ausreichende Fixierung der Teile eingehalten wird. Neben diesen Vorteilen ergeben sich auch einige Nachteile: Beim Auflegen der Platte beginnt diese durch den Wasseranteil zu quellen und zu werfen, was unbedingt vermieden werden muß. Ein einseitiger Leimauftrag kann dies zwar verhindern, aber dadurch kann es auch stellenweise zu Fehlstellen mit geringem Kontakt kommen, die nach der Preßphase hochwerfen (Kürschner). Nachteilig ist auch, dass durch die Fugen gepreßter Kleber nicht vollständig entfernt werden kann und Verfärbungen bleiben. Dies kann zum großen Teil vermieden werden durch Fixieren der Marketerieteile mit einem wasserfesten Polymerkleber (zb. UHU hart). Auf Kante geklebte Furniere verfärben nicht, wenn die bereits geleimte Randfläche vorlackiert wird.

Den Nachteil des Quellens vermeidet man durch die Verwendung von 2-K-Epoxidharzen, die auch mit Füllmitteln einen Dickenunterschied ausgleichen können. Nachteilig bei den Harzklebern sind die Fließeigenschaften, die dazu führen, daß Harz an den Fugen hochsteigt und das Holz an den Schnittkanten nachhaltig verfärbt (Abdunkeln). Weitere Nachteile beider Klebetechniken ist, daß Verschieben während des Pressens auftreten kann und vor allem nach dem Aushärten keine Reparaturen mehr möglich sind. Einzelne Teile der Marketerie können nicht mehr herausgenommen oder nachgeklebt werden.

Knochenleim ist bei der Verklebung von Marketerie seit Jahrhunderten in Gebrauch gewesen, fristet aber heute nur noch ein Nischendasein (Musikinstrumentenbau). Die Abbildungen in alten Enzyklopädien zeigen, wie es gemacht wird: einzelne Marketerieteile werden mit Leim bestrichen und mit einem Furnierhammer auf die Fläche gedrückt - fertig! Ganz so einfach ist es doch nicht;-) Wichtig ist, die Viskosität des Leims so einzustellen, daß die "offene Zeit" nur kurz ist: Dem Granulat wird dazu nur so wenig Wasser zugesetzt, daß es sich im Wasserbad auflösen kann. Gut für die Verdünnung eignet sich ein eigens angesetzter Leim im Ansatz von 1:1, mit dem man auch stark saugende Grundplatten vorleimen kann. Ein schneller Leim hat eine honigartige Farbe und fließt zähflüssig, ist aber noch gut mit dem Pinsel streichbar. Marketerieteile und Fläche sollten vor dem Verkleben abgezahnt werden (Gut geeignet ist die feine Furniersäge oder eine andere gezahnte Stahlplatte). Furnierstücke mit einer Dicke von 2 mm werfen sich nach dem Bestreichen schnell nach oben. Man kann das verhindern, indem man die Oberseite mit einem feuchten Schwamm überstreicht. Vollflächig wird die Verklebung durch Nachpressen von ca. 15 min mit einer Korkzwischenlage. Zum Fixieren können dünne Furniernadeln verwendet werden. Wichtig: Die Leimschnüre nicht aushärten lassen, sondern Ränder im feuchten Zustand glattziehen (z.b. Kerbschnitzmesser). Leim, der aus den Marketieriefugen austritt, verfärbt das Holz nicht. Die alten Ebenisten begannen eine Marketerieplatte vom Rahmen ausgehend zu furnieren. Bei Parkettmustern zu beachten, daß die Muster perfekt sitzen, sonst müssen sie an den Rändern beschnitten werden. Leim, der wasserfest sein soll, muß modifiziert werden (Kasein). Hitze und Alkohol führen zur Auflösung der Verklebung.

 

Risszeichnungen:

PRISMA SeitenrissPRISMA-Detail

Gesamtmaße:
Höhe 75cm - Seitenlänge 32 cm

 

Literatur:


ROUBO André-Jaques: L'art du Menusier. Facsimile de la 1er édition 1769-75. Laget Paris 1976 (Reprint der Erstauflage 1769ff, 3 Bde.) Internetressource: http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-13467 (Digitale Bibliothek der ETH Zürich, Wissenschaftshistorischer Bestand) .:


Design und Ausführung

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