EUMIG 733

- Restaurierung -

Der EUMIG 733 W ist ein 3 Wellen-Reflexsuper mit integriertem Feldspulen-Lautsprecher

Schaltungsprinzip ........ 3-Röhren-Superhet
Hersteller......................... EUMIG AG, Wien
Herstelljahr ................. 1934/35
Seriennummer ................. 93017
Anzahl Kreise ................ 6 Kreis(e) AM
Wellenbereiche ............ LW, MW, KW
Ausstattung ...................
Spannungsversorgung . 110/220 Volt ~
Lautsprecher ................. 17,5 cm Gehäuse, m. Feldspule 1740 Ohm
Leistungsaufnahme .... ca 45 Watt
Abmessungen (BxHxT) . 32,5 x 39,5 x 17 cm 9,4 kg
Röhren .......................... AK1, RENS 1254 (E 444), RES 964 (E 443H), RGN 1064 (506)
Preis ............. 298,- ATS
ähnliche Geräte .......... Eumig 733A, 933

1. Rundfunkindustrie in Österreich bis 1934/35

Der Name EUMIG ist heute vor allem ein Begriff als Hersteller von Amateur-Filmkameras und Projektoren. Dass Eumig auch als Hersteller von Rundfunkgeräten bekannt ist, ist vor allem der Eumigette zu verdanken, einem preiswerten Massenartikel der 50er Jahre. Die Ursprünge der Firma gehen aber noch vor 1924, der Geburtsstunde des Radios in Österreich zurück. 1919 wurde die „Elektrizitäts- und Metallwaren-Industrie-Gesellschaft m. b. H.“ in Wien gegründet. Im Jahre 1924 begann die Firma unter dem Namen Eumig mit der Produktion von Rundfunkgeräten. Im selben Jahr strahlte der RAVAG-Sender „Radio Wien“ auch seine erste Sendung aus. Die Radioindustrie bestand um 1925 im wesentlichen aus den neugegründeten Firmen Eumig, Horny, Ingelen, Kapsch und Minerva. Eltz (Radione) und Zerdik kamen etwas später.

Führend beim Aufbau der Rundfunkgesellschaft RAVAG waren die Firmen Kapsch und O. Czeija. Kurioserweise war Mitkonkurrent Czeija & Nissl schneller mit ihrem unlizensierten Hekaphon-Sender, dem aber nur ein kurzes Leben beschert war. Schon wenige Jahre später erlebte die junge Branche ihre erste Krise mit Firmenpleiten und Fusionen. Eine bedeutende Rolle nimmt Philips dabei ein. Als Philips Radioröhren GmbH 1926 in Wien gegründet, wandelte sich das Werk zum Radiogerätehersteller und nutzte 1935 die Schwäche der Konkurrenz in der angespannten Wirtschaftslage. Noch im selben Jahr schluckte Philips den Radiohersteller (Zerdik), es folgten die Radiowerke Schrack AG (Triotron), fortgeführt unter dem Namen Wiener Radiowerke AG WIRAG und die überschuldete Horny AG.

Siemens und Halske entwickelten und produzierten spätestens ab 1929 in ihrem Wiener Werk Geräte für den Österreichischen Markt und belieferten auf diesem Weg auch die Märkte des Balkans. Mit der Aufhebung des Gebietsschutzabkommens, das die nationalen Märkte abschottete, löste ab 1939 der Siemens-AEG-Telefunken-Konzern die S&H-Vertretung ab und drang mit seiner Berliner Produktion in den Österreichischen Markt und lieferte Fertiggeräte in die "Ostmark", wie Österreich nach dem Einmarsch 1938 genannt wurde. Die Beteiligung an der Produktion von Gemeinschaftsempfängern (VE301) unter nationalsozialistischer Herrschaft kompensierte für Eumig den Produktionsrückgang bei aufwendigen Empfängern aufgrund der Kriegswirtschaft. Wie alle anderen Hersteller produzierte Eumig ab 1940 fast ausschließlich Komponenten für den Kriegseinsatz.

Nach Anfängen mit Detektorapparaten hatte Eumig 1934 mit Mehrwellen-Netzempfängern in Reflexschaltungen bereits die Marke von 100.000 produzierten Radiogeräten überschritten. Eine Fotografie zeigt das 100.000ste Gerät, ein 733 mit den namentlich genannten Entwicklern.



Abb. 2 Präsentation des Jubiläums-Empfängers 733 1935 Bild: EUMIG-Lupe

Im Herbst 1934 sollen monatlich 6000 Geräte produziert worden sein. Man schätzt, dass vom Modell 733 in der Zeit von Herbst 1934 bis Anfang 1935 ca 18.000 Exemplare das Werk verließen.Das Produktionsdatum dieses Exemplars läßt sich an Seriennummer und Skalenband genauer bestimmen: 733a 28.3.35, also aus der Phase auslaufender Fertigung. Der Wechselstrom-Reflexsuper war auch eines der erfolreichsten Eumig-Produkte in der Mitte der Dreißiger Jahre auf den Märkten der ehemaligen Donau-Doppelmonarchie. Die EUMIG produzierte in den frühen Dreißiger Jahren, aus denen auch dieses Gerät stammt, für den österreichischen Markt, in den deutschen Katalogen wurden keine Erzeugnisse der Firma angeboten. Erst ab 1938 begannen deutsche Händler österreichische Hersteller in größerer Zahl in ihre Kataloge aufzunehmen.

Der Jahrgang 1934/35 war vom "Reflex-Super" geprägt. Siemens, Mende, Sachsenwerk und viele andere bewarben mit ihren Modellen diese Spartechnik als etwas Besonderes. Im Faltblatt Fernempfänger von Eumig ist der Empfänger abgebildet und beschrieben.



Abb. 2 Präsentation der Empfängertypen OR3

Die Gehäuse der Typen 633, 733 sind identisch. es werden sehr unterschiedliche Furnierqualitäten für die Front verwendet.

2. Befund

Das Gerät wurde aus dem Depot eines Radiomuseums übernommen. Eine erste Durchsicht bringt eine längere Liste an Ausfällen, mit denen man sich beschäftigen muß.

Abb. 6 - Vorderansicht

Das Furnierbild der Front aus ausgesuchten Stücken in natur poliert, abweichend von Prospektansicht mit Nußraumriegeln neben dem Lautsprecherausschnitt, Seiten Vollholz Nußbaum-dunkel gebeizt, Originale Seidenbespannung, Skalenband aus Celluloid zerrissen.



Abb. 8 - Fundzustand Chassis Unterseite mit Austauschteilen und z.T. fehlerhafter Verdrahtung

Moderne Kondensatoren und Verdrahtungen zeigen, dass bereits Eingriffe stattgefunden haben, der Großteil der Kondensatoren wurde bereits ersetzt, einige Komponenten sind nicht an ihrem Platz. In diesem Fall ist Mißtrauen angesagt und die Verdrahtung eingehend zu prüfen. Die Europa-5-Stift-Fassungen haben an Federkraft verloren. Chassis: Drehko nicht original, Ersatz von Siemens mit 2 x 520 pF, ohne die beiden Trimmer, Abschirmblech fehlt, Abdeck-Winkelblech über Trafo und Oszillatorspulen fehlen. Die Bandfiltertöpfe wurden noch nicht geöffnet.

Abb. 9 - Typschild

6. Bedienhinweise

In der Mitte neben der Skala befindet sich der Abstimmknopf, links wird die NF-Lautstärke, rechts das Klangbild eingestellt. Die Skalenbeleuchtung zeigt den Betriebszustand an. An der linken Seite befindet sich neben den Antennenbuchsen (A1 ... A2) der vierstufige Drehschalter für die Wellenumschaltung. Neben der Aus-Position kann auf Kurz-, Mittel- und Langwelle umgeschaltet werden, eine T.A.-Position gibt es nicht.

Schaltpläne

Die verfügbaren Schaltpläne zum 733 stammen nicht von Eumig selbst und es gibt verschiedene Versionen:

  • Lange Schaltungsdienst, WRRW u.a.: 733 mit ZF 468 kHz mit Wertangaben, mit Philips-Röhren, ohne Spannungsangaben
  • Lange Schaltungsdienst: 733A mit ZF 412 kHz mit Wertangaben auch für Trimmer und Drehkos, mit TFK-Röhren, ohne Spannungsangaben
Gründe für die Wahl der eher unüblichen 412 kHz dürften regional verbreitete Pfeifstörungen auf Mittelwelle bei Geräten mit der gängigen ZF von 468 kHz durch den auf 232 kHz operierenden LW-Sender Luxemburg gewesen sein, Kreuzmodulationen traten aber auch zwischen den Sendern Prag und Wien auf. Vor Arbeiten am Gerät ist also herausfinden, welcher Variante das Gerät in Arbeit zuzuordnen ist. Bedingt durch die unterschiedliche ZF sind u.a. die Verlängerungskondensatoren des Oszillators bei den beiden Versionen unterschiedlich. Im vorliegenden Gerät sind die Verlängerungskondensatoren bereits ausgetauscht und entsprechen den Werten des 733 mit 468 kHz. Dem steht allerdings der Versionsaufdruck "733A" von 1935 auf dem Skalenband entgegen, das offensichtlich original ist. Bei der Inbetriebnahme ist herauszufinden, welche ZF das Exemplar wirklich hat. In der Bestückungsliste (Abb. xx) sind die unterschiedlichen Bauteilwerte für beide Schaltungsvarianten berücksichtigt.

Abb. 10 Schaltplan Typ 733W 468 kHz mit Philips-Röhren

Schaltung

Die Besonderheit dieses Geräts liegt in der Beschaltung des ZF-Verstärkers um RENS1254. Die Binode besitzt eine zusätzliche Diodenstrecke. Am zweiten Bandfilter teilt sich anodenseitig der Signalpfad in einen Weg, der den ersten Bandfilterkreis mit der ZF-Frequenz anregt und einen zweiten, durch C32 gleichspannungsmäßig abgeblockten Pfad, der auf die Diode am zweiten Bandfilterkreis führt und die ZF gleichrichtet. Über einen Serienkreis mit C34 wird die NF auf das Steuergitter zurückgeführt. Mit dieser stark beworbenen Reflexschaltung wird eine separate Vorverstärkungsstufe für die Ansteuerung der Endröhre eingespart. Die REN1254 hat grundsätzlich die Bandbreite, beide Signale zu verstärken, ohne dass sie sich wechselseitig beeinflussen. Das Reflexprinzip ist altbekannt und wurde bereits um 1925 auf viele Empfangsschaltungen angewendet (ADORJAN, 1925). Nachteile der Reflexschaltungen: Gefahr der Selbsterregung, weil die HF-Aussiebung aus dem Rückführungssignalpfad schwierig ist. Verzerrung und Knurren bei Übersteuerung durch Doppelmodulation. Um dies zu vermeiden, muß die Röhre im linearen Bereich der Kennlinie (A-Einstellung) arbeiten. Das Steuergitter erhält eine automatische Gittervorspannung über die RC-Kombination R13/C27.

Besonders sinnvoll beim Kurzwellenempfang ist der Fadingausgleich. Eine Regelspannung wird dazu vom Ausgang des 2. Bandfilters über R2 an den Fußpunkt des Antennenkreises geführt (R2).

Röhren

Für die Erstbestückung von Rundfunkgeräten waren gemäß dem Geräte-Bauvertrag mit dem Verband der Funktechnischen Industrie (VÖF) nur Röhren von Philips und Telefunken zulässig. Der Philips-Röhrensatz besteht aus: E444, E443H, 506 und AK1, der Telefunken-Röhrensatz (Erstbestückung bei 733A) umfaßt: AK1, RENS1254, RES964 und RGN 1064, im vorliegenden Exemplar findet sich eine Tungsram Röhre (Marke SATOR P43) offenbar bereits Ersatz.



Abb. 11 Standard-Beschaltung E444 bzw. RENS1254

Abb. 12 Sockelbeschaltung Heptode AK1 Telefunken Datenblatt



Abb. 13 Datenblatt zur Pentode RES964

3. Aufarbeitung des Chassis

Das Chassisblech ist ein Gleichteil mit Bohrungen und Ausbrüchen, das für verschiedene Typen genutzt wurde. Die nach Schaltplan beschrifteten Komponenten können mit Hilfe der Abbildung gefunden werden.

Bauteile



Abb. 14 EUMIG 733 Bauteilliste



Abb. 15 EUMIG 733 Bauteilpositionen

. Der Originaldrehko 2x 480 pF fehlt. Zinkfraß am Rotor der Drehkondensatoren ist ein häufiges Problem, von dem auch die Typenserie der EUMIG-Geräte von 1934/35 betroffen ist. Ist der Drehko aus diesem Grund blockiert, hilft nur ein Austausch.

Abb. 16 Trimmer

Die Potentiometer und die Mehrzahl der Rollkondensatoren stammen von SATOR (ab 1932 Vertriebsmarke in Österreich von Tungsram bzw. der Johann Kremenezky A.G. Wien, Glühlampenfabrikant und Komponentenfertiger für die Radioindustrie, vormals "Orion"). Der Hersteller der 0,5 µF und 50 nF-Ausführung in Leinwandumhüllung ist unbekannt.

Abb. 17 EUMIG 733 50 nF Kondensator

Ist der Teerverguß offensichtlich porös, kann auf ein Nachmessen verzichtet werden, am besten alle Kondensatorrollen austauschen. Die Papphülsen von SATOR mit dem Herstelleraufdruck sollte man möglichst erhalten. Die beiden Elektrolyt-Becher 10 µF stammen von Philips Austria (bereits Ersatzteil?) und RHEO. RHEO ist eine Vertriebsmarke von Velba, Vertriebsgesellschaft für elektrotechnische Bedarfsartikel, Wien. Der selten erhaltene Naßelko war völlig unbrauchbar und erhielt ein neues Innenleben. Für die Trimmer (C16 usw.) wurden stabile Kompressionstrimmer mit Glimmerblättchen als Dielektrikum verwendet. Zu starke Linksdrehung (Minimum) kann die Schraube vom Gewinde trennen, dann ist der Trimmer nicht mehr einstellbar.

Die bedrahteten Widerstände sind ebenfalls von SATOR Austria und entsprechen in der Bauform bekannten deutschen Herstellern (Dralowid o.ä.). Der dünne isolierte Schaltdraht ist typisch für EUMiG und meist gut erhalten.Das Abdeckblech mit dem VÖF-Aufdruck kann nachgefertigt und auf dem Ersatzdrehko befestigt werden. Diese Aufkleber des Verbands der Rundfunktechnischen Industrie Österreichs sind nummeriert und weisen die Zahlung der Lizenzgebühr (Bauerlaubnis Patentgruppen E/A Siemens Östereich) nach. Die elastische Aufhängung über Gummipuffer ist regelmäßig völlig unbrauchbar geworden, ebenso häufig ist das Celluloid des Skalenbands geschrumpft, sehr spröde und rissig geworden oder fehlt sogar ganz. Für die Rekonstruktion fehlender Skalenbänder kann die abgebildete Druckvorlage herangezogen werden.



Abb. 18 Aufdruck des Skalenbands Version 28.35 733A. Vermutlich gibt es weitere Versionen, die sich in den aufgedruckten Sendernamen unterscheiden können

Das Skalenband ist in 3 Spalten unterteilt: links Langwellenskala 800 ...2000 m (149...374 kHz), Mitte Mittelwellenstationsnamen, rechts davon die MW-Skala 200 - 600 m (1,49 MHz...499 kHz), rechte Spalte Kurzwellen von 19...54 m (5,5...15,7MHz).

5. Gehäuse

Korpus

Ein einfacher Holzkasten, Eckverbindung der Vollholzseiten auf Gehrung mit Lamelle ausgeführt, nur die Sperrholzfront in ausgesuchtem geflammtem Furnier, Seiten und Deckel in Vollholz in Nußbaum-mittel gebeizt. In Prospektabbildungen wird die Front als durchgehendes Spiegelfurnier dargestellt. Häufiger sind aber wohl Exemplare, bei denen man am wertvollen Furnier gespart hat, indem man die Seiten am Lautsprecherausschnitt mit senkrecht stehendem schlichten Nußbaum furniert hat, so auch bei unserem Exemplar. Anders als im Prospekt gezeigt, hat auch der 733 senkrecht stehende Zierstäbe vor dem Lautsprecherausschnitt (Mit waagrechten Zierleisten kamen die 1933/34 Modelle 533, 233 und 643).

Die Seiten bestehen aus 10 mm Vollholz, dunkel gebeizt, poliert. Die Holzmaserung scheint nur schwach durch. Dies entspricht nicht den Abbildungen auf den Werbeblättern, scheint aber original zu sein. Kratzstellen wurden beseitigt und nachpoliert.

Rückwand

Rückwand aus 2 mm Kunststoff, anthrazit, weißer Aufdruck, Aussparung für Typschild. Zwei Eindellungen wurden gerichtet und geklebt. (Bild)

5. Inbetriebnahme

Bevor man an das Einschalten geht, ist der Aufbau zu kontrollieren und durchzumessen. Vor allem, wenn das Chassis nicht mehr unberührt ist und Teile getauscht wurden, ist auf Verdrahtungsfehler zu prüfen und zu kontrollieren, daß die Leitungsführung und die Position von Bauteilen und Massepunkten dem Original entspricht. Ergebnis u.a.: Die Masseverbindung des Klangreglers hat gefehlt. Stattdessen wurde ein neuer C27 0.5 µF beidseitig auf Masse gelegt. Der ersatzweise eingebaute Siemens-Drehko stimmt in den Abmessungen, liefert aber 10...520 pF statt 480, so daß die originale Skalenaufteilung nicht ereicht werden kann. Die im Original oben angebauten Trimmer und das Abdeckblech über Drehko und Trimmerblock sind leicht beschaffbar oder leicht nachzubauen. Es wurden 30 pF-Trimmer montiert und das Aggregat auf neuen Gummipuffern montiert. Eine neue Netzzuleitung ist meist erforderlich, da die Isolierungen der alten hart und brüchig geworden sind und bei Bewegungen brechen. Der originale Netzstecker passt oft an ein Trenntrafo, ggf. muss eine alte Steckdose ohne Schutzkontakt zwischengeschaltet werden.

Man beginnt nun damit, Trafo, Lade- und Siebkondensatoren und Drossel in Betrieb zu nehmen, mißt die Leerlaufspannungen von Anoden- und Heizwicklungen und steckt dann die Gleichrichterröhre ein. Die Gleichspannungen an den Stiftkontakten der Röhren kann man nun nachkontrollieren. An den Steuergittern muß eine negative Vorspannung gemessen werden können. Die Schirmgitterspannung muß bei der E444 knapp unter 60 Volt liegen.

Mit einem Prüfstift (1000 Hz mit Oberwellen, 2 V~) kann man nun die NF-Stufen durchprüfen. Sind Lautstärke und Klangregelung ok, einen potentialfreien MP3-Player an den TA-Ausgang anschließen und Tonqualität prüfen.

Im nächsten Schritt kann man die Mischröhre einstecken und prüfen, ob Antennenkreis und Oszillator arbeiten. Die Prüfung des HF-Teils kann man am Oszillator beginnen. Schwingt er auf allen Wellen sicher an und fällt die Amplitude nur wenig bei der jeweils höchsten Frequenz ab, kann man die ZF-Röhre einstecken und ein Signal mit passender Frequenz an die Antenneneingänge legen. Hierzu kann man das Signal eines Meßsenders auf etwa 10 - 50 µV abschwächen und prüfen, ob am ersten Kreis des ersten Bandfilters die Zwischenfreuenz anliegt (412 bzw. 468 kHz höher als das Eingangssignal). Am Sekundärkreis des zweiten Bandfilters messen, ob das AM-modulierte Signal des Meßsenders durchkommt und am Ende die Demodulation überprüfen.

Abgleich

Eine Abgleichanweisung für Reflexsuper von Eumig ist nicht verfügbar, deshalb kann man nur nach einem standardmäßigen Plan vorgehen. Das Chassis wurde untersucht, die gefundenen Abgleichpunkte in der folgenden Übersicht zusammengestellt:



Abb. 19 Übersicht Abgleichelemente

Zunächst ist festzustellen, dass nur ein C-Abgleich vorgenommen werden kann. Es ist nicht vorgesehen, die Spuleninduktivität zu verstellen, die Spulen sind hermetisch von Ferromaterial umschlossen. Nur bei der Oszillatorspule LW/MW findet sich an der Unterseite eine verstellbare Messingschraube, ob sie einen Eisenkern verstellt, ist nicht erkennbar. Bei den Bandfiltern gibt es jeweils 1 Trimmer oben und an der Chassisunterseite. Dieser muß zugänglich sein, evtl. Bauteile beiseite drücken. Die Primärkreise der Bandfilter stehen unter Anodenspannung, beim Abgleich Kunststoffbesteck verwenden um Kurzschlüsse an den Abschirmbechern auszuschließen. Unten ist auch die Einstellung für die Stärke des Reflexsignals (C34). Das Symbol im Schaltplan zeigt einen Drehkondensator, es handelt sich aber um einen Trimmer, der durch den Anwender nicht verstellbar ist. Die Trimmer für den Oszillator LW/MW befinden sich an einem Aufbau neben dem Drehko. Die Spulensätze sollte man nur im Notfall (abgerissene Spulenenden) antasten. Nur im Vorkreis ist der Kondensator C19 (50T) zu prüfen und in der Regel auszutauschen. Die kupfernen Abschirmbecher sitzen sehr fest, keine Gewalt, sondern ein Kriechöl einwirken lassen. Zunächst ist zu kontrollieren, ob die Trimmer auf den Keramikscheiben alle in Ordnung sind.

Abgleichplan

Bei einem Gerät, an dem Bearbeitungsspuren vorhanden sind, muß man damit rechnen, dass an den Trimmern mehr oder weniger planvoll gedreht wurde. So fehlte beim Mittelwellenvorkreis die Trimmerschraube, der Langwellentrimmer war "festgeschraubt". Solch grob verstellte Trimmer auf Funktion prüfen und zunächst in Mittelposition stellen. Einstellungen dann bei aufgesteckten Abschirmhauben vornehmen.

Bandfilterabgleich

Beim Abgleich beginnt man standardmäßig beim letzten Kreis des 2. Bandfilters und arbeitet sich Kreis für Kreis nach vorn. Drehungen im Uhrzeigersinn vergrößern die Trimmerkapazität bzw. senken die Resonanzfrequenz

Oszillatorabgleich

Für KW gibt es keine Trimmer, die Werte der Verlängerungskondensatoren C10 und C38 und die korrekte Geometrie der Luftspulen sind hier entscheidend. Ist die richtige ZF fraglich, kann man zunächst im Kurzwellenbereich prüfen, ob der Oszillator eher auf 412 oder 468 kHz oberhalb der Abstimmfreuquenz schwingt. Zunächst für MW (Trimmer C17 und C20), dann für LW (C16 uns C19) per Trimmer die ZF-Frequenz ggf. auf den korrekten Wert nachziehen.

Vorkreisabgleich LW/MW

Nach erfolgreichem Oszillatorabgleich pro Wellenband den Vorkreis mit dem zugehörigen Trimmer (C8 bzw. C9) auf Maximum abgleichen. Den Gleichlauf im jeweiligen Frequenzband kann man mit den Drehko-Trimmern C11 und C15 optimieren.

Gerätesicherheit

Netzanschluß und Sicherung

Die Stromaufnahme ist mit etwa 60 Watt angegeben, Absicherung mit 1 A. Für Wartungsarbeiten werden die Kontaktlamellen am Netzeingang häufig überbrückt. Nach Abschluß der Arbeiten diese Brücken entfernen, damit die Netzabschaltung über die Rückwand aktiv werden kann. Am Wellenschalter führen 2 Kontakte am unteren Ende Netzspannung!

Links
ADORJAN, Paul, Reflex-Empfänger, Heidelberg, Springer 1925
BRAUNSTEIN, Peter, EUMIG in: , in: Museumsbote Nr. 4, Wien 1989
BRAUNSTEIN Telefunken in Österreich, in: , in Museumsbote Nr. 11 1990
CAPEK, Fritz https://www.radiobote.at/RB/RB_2010_26.pdf
EUMIG Fernempfang, Faltblatt, 1935
LEBETH, Thomas: Austria-Radioröhren in , radiomuseum.org, 2011 und in Radiobote 26 (2010)
EUMIG Geschichte allgemein
Erstes Österreichisches Radiomuseum [Hrsg.] Hornyphon Teil 1 in: Radiobote Nr. 17, Wien 1990
RUDOLPH, Dietmar: , radiomuseum.org, 2020
SATOR Katalog Rundfunk Einzelteile (1934) Katalog
Telefunken: Telefunkenröhren von A - Z , Berlin 1931, 143 S.
Telefunken: Röhrenbuch , Berlin 1935, 191 S.
Trimonisio:EUMIG 733 in: Elettroni al tramonto, 2022