STASSFURT G 43
- Restaurierung -
Der STASSFURT G 43 Midget ist ein 4-Röhren-Schirmgitter-Fernempfänger für Gleichstrom mit eingebautem Lautsprecher
| Schaltungsprinzip | 4-Röhren-Geradeausempfänger (Anodengleichrichtung) |
| Hersteller | Staßfurter Licht- und Kraftwerke AG, Staßfurt |
| Herstelljahr | 1932/33 |
| Seriennummer | (1)02922 (11/1932) |
| Anzahl Kreise | 2 Kreis(e) AM |
| Wellenbereiche | LW, MW |
| Ausstattung | mit eingebautem Lautsprecher Macrodyn 32 |
| Netzspannung | 2-Leiter-Gleichstromnetz 110 oder 220 Volt |
| Leistungsaufnahme | ca 50 Watt |
| Abmessungen (BxHxT) | 450 x 465 x 218 mm 13,8 kg |
| Röhren | RENS1818, REN1821,REN1821, REN1822 (RENS1823D), EUI (Philips 1928) |
| Preis | 198,- (zuzüglich Röhrensatz 69,50) |
| ähnliche Geräte: | Midget W 43 (G439) |
1. Staßfurter Rundfunk 1932/33
Die Rundfunk-Gesellschaft stammt aus der 1912 gegründeten Stassfurter Licht- und Kraftwerke AG, die zum Konzern der Dessauer Gas-Gesellschaft (DCGG) gehörte und ab 1911 ein Gleichstromnetz aufzubauen begann. Ab 1923 folgte man dem Trend und baute eine Rundfunkabteilung auf, die zunächst einfache Geräte mit oder ohne Röhren fertigte. 1924 entstand ein Röhren-Audion mit begrenzter Rückkopplung. Es war durch separate Vor- und NF-Stufen ausbaufähig und fiel nicht unter die «Audion-Versuchserlaubnis» der RTV (Reichs-Telegraphen-Verwaltung). 1925 zählte die Radio-Belegschaft ca. 15 Personen, aber bereits 1927 hatte der Betrieb schon um die 400 Beschäftigte und produzierte den 25.000 Empfänger. Die Produktion wurde um Netzanschlussgeräte für Heiz- und Anodenspannung, NF-Verstärker und Lautsprecher erweitert. Das Firmenlogo im 6-eckigen Schildchen wurde erfunden und titulierte mit «Lichtkraft Stassfurt».
Elektrodynamische Lautsprecher mit Chassis aus den USA gibt es ab 1928. Im gleichen Jahr begann Stassfurt mit dem Bau von Superhet-Empfängern (Mikrohet) als Batteriegerät. Batteriebetriebene Superhets lieferten bereits andere Firmen vorher: z.B. Chem.-techn. Industrie Offenbach den «Miradyn», Huth den «Superhuth I» , aber Stassfurt war lange in dem Ruf, bereits Superhets zu liefern, bevor Großunternehmen wie Telefunken diese Technik anboten, indes ging der Vorsprung in den Dreissiger Jahren verloren und Stassfurt geriet sogar ins Hintertreffen.
Den Vertrieb besorgten bis 1928 vor allem Handelshäuser in Berlin. Ab 1929 führten wichtigen Grosshändler die Produkte der Firma und in den grossen Städten existierten eigene Vertretungen.
1930 erhielten die Superhet - Geräte den Namen Imperial, ab 1936 mit eigenem Markenzeichen. In der Löderburger Straße in Stassfurt entstand ein neues Werk. Die Produktion von Militärtechnik beginnt.
Nach der Teilung des Unternehmens im Jahr 1932 entsteht die Stassfurter Rundfunk-Gesellschaft mbH unter Leitung von W. Steindorff mit ca. 600 Beschäftigten. Gegen Ende dieses Jahres, wahrscheinlich rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, erschien auch der Typ G43.

Abb. 1 Logo von 1931 bis 1933
Im secheckigen Firmenlogo lautete nun der Titel "Rundfunk Stassfurt", im Folgejahr 1933 wurde die Schrift ersetzt durch "Stassfurter Rundfunk". 
Abb. 2 Mit diesem Prospekt zur Funkausstellung 32/33 machte Staßfurt auf sich aufmerksam
Die Jahresproduktion von 16.670 Geräten wurde mit 600 Beschäftigten erbracht. Der Stassfurter Rundfunk kommt mit der Produktion 1932/33 aber nur auf einen Marktanteil von unter 2 Prozent. 1938 beschäftigte der Betrieb 850 Personen, davon 700 Frauen. Der Exportanteil betrug 1939 15 %; der deutsche Absatz erreichte mit der Menge von 55.381 Geräten den Höchststand von 3,36 % Marktanteil. Ab 1943 gab es nur noch Kriegsgüter- und Gemeinschaftsproduktion. Bei Kriegsende arbeiteten 1700 Personen im Stammwerk und 800 in den Auslagerungsbetrieben außerhalb Staßfurts.
Das vorliegende Gerät aus der Typenreihe 43 ist keines der imperialen Superhets, sondern ein einfacher Geradeausempfänger, der ausschließlich für den Betrieb im Gleichstromnetz ausgerüstet ist.

Abb. 3 Prospektausschnitt mit der Typenreihe 43. In der Mitte rechts ist der 43 Midget abgebildet.
Typschild
Stassfurt-Typennummern setzen sich aus der Anzahl Röhren als erste und dem Modelljahr als zweite Ziffer zusammen. Das rechteckige Typschild enthält den Gerätetyp "G 43", es wird kein Unterschied zwischen Geräten mit oder ohne integrierten Lautsprechern gemacht, allerdings findet man in Prospekten häufig die aus dem amerikanischen stammende Bezeichnung "Midget" bei Geräten mit integriertem Lautsprecher.

Abb. 4 Typschild
Trotz starker Korrosion läßt sich die Seriennummer (1)02922 noch ablesen. Durch einseitigen Druck bei der Prägung scheint die führende "1" zu fehlen.
Rundfunk im Gleichspannungsnetz
Zu Beginn der Elektrifizierung entstanden inselförmig an ein E-Werk angeschlossene Verbrauchernetze, vorzugsweise für die öffentliche Beleuchtung oder die Straßenbahn. Diese lokalen Inselnetze wurden mit Gleichstromgeneratoren betrieben. So begann die Elektrifizierung in Staßfurt auch mit einem Gleichstromnetz, das bei der Umstellung nur eine Leistung von etwa 1 MW hatte und den steigenden Bedarf nicht mehr decken konnte. 1920 bezogen die Staßfurter Licht- und Kraftwerke Drehstrom aus einem Verbund von der Sächsischen ESAG in einer Kapazität von 6 MW. Die beschriebene Umstellung von Gleich- auf Drehstromnetze war nicht immer wirtschaftlich und setzte den Anschluß an ein Verbundnetz voraus. So bestanden Insellösungen im Gleichstrombetrieb bis in die Dreissiger Jahre und vereinzelt noch später weiter. Für die Rundfunkteilnehmer dieser Regionen wurden Gleichstromgeräte entwickelt und bis etwa 1933 angeboten, danach von Allstromgeräten abgelöst. Durch Netzumstellungen auf Wechselspannung war es mitunter nicht mehr möglich, diese reinen Gleichstromgeräte weiterzubetreiben. Wie vorher für die Batteriegeräte die Netzanoden wurde mit Trockengleichrichtern als Vorschaltgerät ein Weiterbetrieb ermöglicht. Abb. 4 zeigt ein Siemens-Gerät VE Gl4 mit 220V DC und 250 mA entsprechend 50 W vor einen Gleichstromempfänger geschaltet. Ähnliches Gerät: NORA WG250.

Abb. 5 Anordnung Siemens-Gleichrichter VE GL4 mit einem Gleichstromempfänger
Beide Vorsatzgeräte verfügten über einen ausreichend dimensionierten Transformator am Wechselstromeingang, einem Trockengleichrichter (Kupferoxydul) oder Röhre (RGN2004) und einer Siebdrossel mit Ladekondensator
Abb. 6 VE GL4 Innenansicht
Ausgangsseitig stand Gleichstrom an einer Steckdose zur Verfügung.
Befund
Das Gehäuse hatte an der Deckelplatte einen kapitalen Wasserschaden. 
Abb. 7 Vorderansicht bei Übernahme 
Abb. 8 Rückansicht bei Übernahme
Anders als im Schaltplan angegeben, ist die Reihenfolge im Heizkreis anscheinend bereits ab Werk geändert: erst Urdox, dann Glühlampe. Der Antenneneingang weist nur 2 Buchsen A1 und A2 auf, die dritte im Schaltplan angegebene fehlt und der Antennenkoppler ist intern direkt beschaltet. Die Widerstände R12, R13 waren durchgebrannt/unterbrochen, die Anodendrossel hatte eine Unterbrechung, R7 einen wackelnden Drahtanschluß, alle Kleinkondensatoren waren ausgelaufen, C7 Rotor und Achse festsitzend, die Kondensatorblöcke mit Leckstrom, die Netzschnur abgeschnitten. Die Beschaltung von R14 wurde im Zuge einer älteren Reparatur geändert (Abb. vor und nach). Obwohl das Gerät eine Schaltstellung "aus" hat, bleibt die Netzspannung eingeschaltet, weil der Wellenschalterkontakt verbrannt und überbrückt ist (vgl. Abb. 1 ). Vermutlich ist die eingelötete Drahtbrücke eine frühe Reparatur. Wegen dieser Mängel wurde das Gerät wohl zuletzt als "Teileträger" betrachtet. Der Sperrkreis wurde fachgerecht komplett mit Kurzschließerplatte ausgebaut. Die obere Rückwand fehlt und auch die Bedienknöpfe sind nicht mehr vorhanden.
Bedienhinweise
Das Gerät hat auf der Frontseite 4 Bedienungselemente: In der Mitte die Abstimmung, darunter Wellenschalter für LW, MW, TA und Ein-/Aus, Links die Mitkopplung, rechts kapazitive Lautstärkeregelung. Auf der Geräterückseite von außen zugänglich sind von links nach rechts: Sperrkreiseinstellung, Antenneneingänge, Erdbuchse, Plattenspielereingang, Heizregler, Schwingungseinsatz, Lautsprecherausgang, Spannungsumstellung. Nach Öffnen der Rückseite sind der Kurzschließer für den Sperrkreis sowie die beiden Sicherungseinsätze zugänglich.
Schaltplan
Das originale Schema zum G43 Midget ist nicht verfügbar, es kann aber leicht aus dem Schema zum G43 abgeleitet werden.
Abb. 9 erweiterter Schaltplan für die Midget-Version, überarb. Version siehe Abb. 26
Der 2-Kreis-Geradeausempfänger hat eine abstimmbare HF-Vorstufe mit Schirmgittertetrode RENS1818. Der zweite Kreis ist induktiv gekoppelt, der serielle Rückkopplungskreis über C7 dient der Entdämpfung. Die anschließende REN1821 - eingebaut war eine umgesockelte CC2 - fungiert als Richtverstärker. Beim Stassfurt G43 arbeitet die Röhre anodenseitig praktisch im Leerlauf (R5, R7 mit zusammen 1,15 MOhm), die Anodenspannung kann nahezu unbelastet der Modulation folgen. Das begünstigt die hier gewollte Anodengleichrichtung. Gitterseitig ist der an Gerätemasse liegende HF- Kreis direkt verbunden. An der Kathode ist ein Potentiometer "Schwingungseinsatz" auf die Rückseite geführt, mit dem der Arbeitspunkt angepasst werden kann. Gittergleichrichtung kann auch deshalb nicht auftreten, weil die Katode mit einem grossen Kondensator HF- und NF mässig geblockt ist.
Der Gleichspannungseingang verzweigt sich in einen gedrosselten Anoden-/Schirmgitterkreis und einen separat geführten Heizkreis, der über den Eisenwasserstoff-Widerstand Philips 1928 (OSRAM EUI) auf 180 mA Stromaufnahme mit einem Regelbereich von 110 bis 220 Volt stabilisiert wird. Der parallel liegende und auf die Rückseite geführte Heizregler 500 Ohm mit Vorwiderstand 2500 Ohm soll der Feineinstellung (bei Röhrenwechsel) dienen. An der Lautsprecherröhre ist eine Höherlegung der Kathode als Spannungsumstellung 110/120 V- vorgesehen. Bei 220V- erzeugt die Kombination R12/C15 zusammen mit dem Gitterableitwiderstand R11 von 2 MOhm eine Vorspannung von -8V, damit liegt der Arbeitspunkt in der Mitte des linearen Bereichs bei Anodenspannung 150 V. Der Anodenruhestrom liegt dann rechnerisch bei ca 15 mA. Ob der Geradeausempfänger auch bei 110V funktioniert hat, ist in Zweifel zu ziehen. Ab Werk ist die 110V-Buchse, anders als im Schaltplan angegeben, unbeschaltet geblieben. Vermutlich wäre auch die Anodenspannung am Richtverstärker zu niedrig gewesen.
Auffällig ist die sehr hochohmige Auslegung des Signalpfads mit Anodenwiderständen von 1 MOhm und höher und noch höher liegenden Gitterableitwiderständen. Leckströme in Koppelkondensatoren und defekte Hochohmwiderstände können bei dieser sensiblen Auslegung zum Funktionsausfall führen.
Der externe Zusatzlautsprecher muss entweder über eine hochohmige Spule verfügen oder ein Ausgangstrafo ist vorzuschalten. Der geräteeigene Lautsprecher bezieht die Magnetisierungsgleichspannung direkt aus dem Netzanschluß, entsprechend hochohmig ist die Feldspule mit 12 kOhm ausgelegt.
Das Gleichstromgerät verfügt über eine Erdbuchse, die kapazitiv von der Gerätemasse getrennt ist. Das Chassisblech ist an einer einzigen Stelle mit der Schaltungsmasse verbunden.
Abb. 10 Bauteilliste für die Midget-Version
Röhren

Abb. 11 Datenblatt zur REN1822
Die Endstudentriode REN1822 erschien 1931, ein Chassisaufdruck weist sie als Erstausstattungsröhre aus.
RENS1818 (ab 1932) Datenblatt:

Abb. 12 Datenblatt zur RENS 1818 Telefunken Schirmgitter-Tetrode
REN1821 (ab 1931) Datenblatt:

Abb. 13 Datenblatt zur REN 1821 Telefunken
Ersatzweise B2038, E435. Im Gerät vorgefunden wurde statt der zweiten REN1821 eine umgesockelte CC2 mit deutlich abweichenden Heizdaten (13V, 0,2A statt 20 V, 0,18A), die sich aber in der Schaltung als funktionsfähig erwiesen hat.
Philips PH 1928 Eisen-Wasserstoff-Regelwiderstand 110/220 V/180 mA oder Osram EUI

Abb. 14 Datenblatt zu Osram Urdox-Röhren EU I ... EU IV
3. Chassis
Der eher einfach gehaltene Geradeausempfänger verfügt über ein riesiges Chassis, das durch zwei mächtige Abschirmzylinder geprägt wird. Auf der Unterseite geht es bei den Abmessungen recht übersichtlich zu, was dem Service zugute kommt.
Heizkreis
Im Gleichstromradio wird ein großer Teil der aus dem Netz entnommenen Energie in Verlustwärme umgesetzt, was den Betrieb wenig wirtschaftlich macht. Grund dafür ist, daß die Heizspannung der Röhren verhältnismäßig niedrig ist und nicht durch Transformation gewonnen werden kann, sondern durch einen leistungsfähigen Vorwiderstand herabgesetzt werden muß. Bei diesem Gerät wird ein Eisenwasserstoff-Widerstand als NTC eingesetzt. Er beschränkt als Konstantstromquelle den Heizstrom auf 180 mA und wirkt im Bereich von 100 ... 225 V-, die Kaltleitereigenschaft begrenzt zudem den Einschaltstrom.

Abb. 15 defekter Heizungsparallelwiderstand vor und nach der Reparatur.
Serienheizung
Der nachfolgende Auszug beleuchtet die Anforderung eng tolerierter Fadenwiderstände in Serienschaltungen:

Abb. 16 Aus: Telefunken Röhren von A -Z, Teil C Röhren für den Gleichstromnetz-Betrieb (Serienschaltung), S. 99f
Sperrkreis
Der gesamte Sperrkreis einschließlich Kurzschließer wurde ersatzlos ausgebaut. Die Komponenten des Sperrkreises und die Beschaltung sind der Originalabbildung zu entnehmen. 
Abb. 17 Sperrkreis im Original
Kondensatoren und Widerstände
Ist der Teerverguß offensichtlich porös, kann auf ein Nachmessen verzichtet werden, am besten alle Kondensatorrollen austauschen. Die Glashülsen mit dem Herstelleraufdruck (NSF) sollte man erhalten. Die Zuordnung der Kondensatoren zu den 4 Sammelblöcken ist aus dem Schaltplan ersichtlich. Bei den 1 µ-Kondensatoren sind 2 Spannungswerte (100 und 300 V-) eingebaut worden5. Gehäuse
Korpus
Das Midget-Gehäuse (Radiomöbel-Tischlerei Alfred Diesing, Staßfurt) teilt der G43 mit dem frühen Superhet Imperial 5 aus demselben Jahr. Die Seitenkanten des wuchtigen Holzkastens sind in Formsperrholz ausgeführt und verlaufen in einem Stück um Seiten- und Frontfläche. Das umlaufende Furnier hat einen markanten Wechsel von Splint- und Kernholz, der durch Spiegelung wiederholt wird. Die Frontfläche unterbricht dieses Muster durch ein senkrecht stehendes, mittig gespiegeltes Furnier aus dunklem Nußbaum-Kernholz. Der zurückspringende Deckel ist in einem Stück aus hellerem Nußbaumflader furniert. Der Kasten steht vorne auf Tatzen, die als Viertelstab herausgeführt sind.
Den rechteckigen Lautsprecherausschnitt schließen drei senkrecht stehende Leisten ab. Die Bespannung besteht aus dünnem Seidenstoff in Goldocker- und Brauntönen.
Zustand:
Die Front einschl. der Zierstäbe hatte auf der rechten Seite mittelstarken Wurmbefall. Das Furnier ist roh.
Abb. 18 Frontansicht
Starken Verfall durch Wasserschäden zeigt die gesamte Oberseite des Gehäuses. Das Deckfurnier ist versprödet, unvollständig und großteils ohne Leimverbund. Der Randfries ist vollständig aufgelöst und verloren und sogar der Leimverbund zwischen Deckel und Seitenteilen ist schadhaft. 
Abb. 19 Gehäuseoberseite
Die folgenden Abbildungen zeigen die Reparaturschritte:

Abb. 20 Furnierunterseite Risse hinterklebt und Furnierflicken in Fehlstellen eingesetzt

Abb. 21 geglättete Furnieroberseite vor dem Verkleben
Die Seite links ist wohl durch ungünstige Feuchtlagerung im Unterbau verformt, längs gerissen und wird nur durch das Deckfurnier noch zusammengehalten. 
Abb. 22 Im Furnier drückt sich der Riß ab und führt zu einer Wölbung

Abb. 23 Stabilisierung durch Hinterkleben
Durch diese Hinterklebung ließ sich die Wölbung abmildern und die Seite stabilisieren. An diesem war Punkt abzuwägen: restaurieren oder aufarbeiten? Letzteres hätte die komplette Neufurnierung der linken Seite bedeutet und ein mit der rechten Seite vergleichbares Furnier ist schwer zu beschaffen.
Abb. 24 Gehäuse nach der RestaurierungRückwand
Die obere der zweiteiligen Rückwand fehlte und wurde nach Fotografien rekonstruiert. Die untere Rückwand aus dunkelgrauer Pappe ist noch im Original vorhanden. Sie wird ins Chassis eingehängt und oben an die Traverse geschraubt. Sie wurde nur etwas gerichtet und an den Kanten gefestigt.5. Inbetriebnahme
Instandsetzungen und Teileaustausch
Folgende Verschleiß- und Überlastausfälle wurden bei der Erstinspektion festgestellt und behoben:
- Die auf einem gekammerten Spulenkörper gewickelte Anodendrossel hatte wie bei vielen anderen Geräten eine Unterbrechung. Der Draht reißt anscheinend immer an den Übergängen zur nächsten Kammer. Ein komplettes Abwickeln ist meist nicht nötig. Hier konnten 2 Kammern abgewickelt, die Drähte verbunden und wieder neu bewickelt werden.
- Der Rückkopplungs-Drehko C7 hatte eine festsitzende Achse und festsitzende Lamellen, nach Zerlegung und Wiederaufbau wieder funktionstüchtig.
- Alle Kondensatorblöcke und alle anderen Einzel-Rollkondensatoren waren wegen Leckströmen zu erneuern.
- Der Leistungsdrahtwiderstand R13 (2500 Ohm) hatte Unterbrechungen und wurde mit ca 10 m Widerstandsdraht 226 Ohm/m erneuert.
- Alle Gummi-Durchführungstüllen waren völlig ausgehärtet und mit den durchgeführten Leitungen verklebt, alle ersetzt.
- Eine der beiden Sicherungskappen aus braunglasiertem Porzellan war zerbrochen. Nachgegossen vom Original.
- Der Ausgangstransformator hatte in einer der beiden Primärspulen eine Unterbrechung und war damit unbrauchbar/irreparabel. Ein AT mit vergleichbaren Abmessungen und Werten wurde eingebaut TF 21/5 (EI 62x42, 400Ohm Gleichstromwiderstand primär).
- Der Lautsprecher hatte eine festsitzende Schwingspule. Repariert, vgl. dazu Bericht Makrodyn 32 Schwingspule sitzt fest.
Folgende Fehlteile wurden festgestellt:
- Der Umstecker mit Litze an der 110/220-Volt-Kathodenumschaltung an REN 1822 fehlte, nachgebaut.
- Das Eingangs-Sperrfilter war sauber ausgebaut worden und wurde entsprechend vorhandener Fotos ergänzt
Folgende Modifikationen/Abweichungen wurden festgestellt:
- Die Reihenfolge von Glühbirne und Urdox ist im Schaltplan anders als im Originalchassis, Schaltplan angepasst.
- Der Kondensator C17 ist im Schaltplan mit 1 µF angegeben, im Originalchassis hat C17 aber den Wert von 2000 cm, Schaltplan angepasst.
- C19 soll laut Schaltplan an der Erdbuchse liegen. Tatsächlich ist die Erdbuchse nur durch C17 vom Chassis getrennt und C19 an die Schaltungsmasse gelegt. Die Netzdrossel liegt dadurch nicht zwischen C18 und C19. Das wurde im Schaltplan angepasst.
- Der Ein-/Aus-Kontakt am Wellenschalter ist weggebrannt und wurde durch eine Leitung überbrückt (frühe Reparatur)
- Die mit "110V" benannte Buchse für die an der Endröhre vorgesehene Kathodenumschaltung wurde werksseitig nicht verschaltet, damit hat die Funktion ab Werk auch nicht funktioniert. Angesichts der niedrigen Anodenspannung an der Richtverstärkerröhre steht auch in Frage, ob der Empfänger mit 110V Netzspannung überhaupt funktionieren konnte. Im Schaltplan liegt diese Buchse auf Schaltungsmasse.
Erforderliche Schaltungsanpassungen:
- Bei der Inbetriebnahme mußte eine Modifikation durchgeführt werden, um den 180mA-Heizkreis zum Laufen zu bringen. Der Heizungs-Bypass-Widerstand R13+R14 ist für den 220V-Betrieb ungünstig dimensioniert. Damit der erforderliche Betriebsstrom der Heizkette erreicht und stabilisiert wird, wurde R14 auf 3,3KOhm vergrößert. Ideal wäre ein Drahtwiderstand von 3,3K anstelle der 500 Ohm von R15. Die Netzdrossel dämpft im Gleichspannungsnetz den Einschaltstromstoss im Anodenkreis. Das Gerät wurde einmal (versehentlich) eingeschaltet, statt die Spannung langsam hochzufahren. Schäden sind nicht aufgetreten.
Erstes Einschalten
Vor Inbetriebnahme prüfen, ob der Heizkreis geschlossen ist. Dazu alle Röhren, den Eisenwasserstoffwiderstand und die Glühbirne einsetzen. Beim Ausfall der Glühbirne oder schlechtem Kontakt in der Fassung kommt es zum Totalausfall. Es sollte bei kalten Röhren ein Widerstand von ca. 180 Ohm (Feldspule nicht angeschlossen) zu messen sein. Legt man den Ohmmeter an die Heizkette von 1822 bis 1821 an, so sollte man ohne Röhren einen Widerstand zw. 2,4 und 2,9 KOhm messen können.
Niederfrequenzteil
Wellenschalter auf Phono. Auf ein Prüfstiftsignal am Steuergitter als ersten Funktionstest reagierte die Endröhre ziemlich verhalten. Bei Signal am Gitter der ersten Vorröhre nahm die Signalstärke sogar ab, am Phonoeingang angelegt, war nichts zu hören. Der Ersatz-AT und der Lautsprecher waren vorher geprüft worden. Die Spannungen an Anoden und Kathoden lagen aber aus dem Rahmen.
Erfahrungsgemäß schleicht sich bei der Montage und Kontaktierung der aufgearbeiteten Teile gern ein Fehler ein. Am Kondensatorblock auf der Unterseite geht es recht unübersichtlich zu, da kann man sich leicht verhaspeln: die Kathodenanschlüsse C9 und C11 zu vertauschen geht noch, aber die Anodendrossel erhielt keine Anodenspannung, weil R7 an der falschen Röhre hing. Das setzte die beiden 1821 komplett matt, der Lautsprecher war absolut still.
Nach dieser Inspektion konnte eine Bauteil-Positionsübersicht der Chassisunterseite mit den Leitungen für Schaltungsmasse, Anoden- und Schirmgitterspannung erstellt werden.
Abb. 25 Bauteil-Positionsübersicht
Mit der Herstellung der korrekten Verdrahtung funktionierten die 1821 und 1822 sofort. Brummtest am Phoneingang bringt das Gerät auf volle Lautstärke - ein erster (bestandener) Belastungstest für die Lautsprecherreparatur. Auch die Endröhre macht noch einen sehr fitten Eindruck. Da ein NF-Lautstärkeregler an diesem Gerät nicht vorgesehen ist, macht man diesen Test besser mit einem abschwächbaren Signal. Die Endröhre ist bei ca 140 Volt und 15 mA nicht ausgelastet, aber laut genug.
Empfangstest
Im nächsten Test geht es um die HF-Vorstufe und den Anodengleichrichter. Vorher sollte man die unvermeidlichen Übergangswiderstände an den Wellenschalterkontakten auf Null gebracht haben. Vor allem der S2-Kontakt (siehe Abb xx) muß die Sekundärkreisspule des Richtverstärkers ohne Übergangswiderstand auf Masse ziehen, andernfalls findet nicht viel Empfang statt. Die Kontakte lassen sich mit Ethanol-Papier reinigen. Hartnäckige Beläge mit notfalls mit 2000er Korn bearbeiten. Die Übergangswiderstände sollten danach bei 0.2 Ohm oder besser liegen. Dabei kann man an den Kontakten gleich den Durchgang aller Spulen mitkontrollieren. Die Kontaktflächen treffen nicht voll, sondern nur an winzigen Punkten aufeinander. Bei der Konstruktion gibt es keine Selbstreinigung. Ausserdem ist der Andruck unterschiedlich. Das macht die Sauberkeit der Schalter zu einem ernstzunehmenden Thema.
Wir nutzen zuerst die (untere) Antennenbuchse an C3, um ein Prüfsignal einzuspeisen. Der Erdanschluss wird an eine Erde (Heizungsrohr o.ä.) gelegt. Zunächst muss man ein Gefühl für die korrekte Einstellung der Mitkopplung C7 und den Einsteller R5 für die Kathodenspannung bekommen. Zunächst tat sich aber nichts. Die HF-Stufe schien völlig unempfindlich, obwohl die Spannungen und die Schirmgitterröhre selbst stimmten.
Alle Widerstände wurden geprüft, alle lagen um ca 10-20 % außerhalb der Wertangabe, im Betrieb erwiesen sich davon 3 als defekt und mussten ersetzt werden: R6, R7 und R2. Die beiden Anodenvorwiderstände R6 und R7 wurden mit +10% gemessen, erwiesen sich aber im Betrieb als defekt. Die ohnehin niedrig vorgesehene Anodenspannung des Richtverstärkers brach dadurch soweit ein, dass kein vernünftiger Arbeitspunkt für die Demodulation im Empfangsmodus (LW,MW) zustande kam. Für die NF-Verstärkung hatte die winzige Anodenspannung von 11 Volt ausgereicht. Ursache defekter Widerstände können - wie in diesem Fall - Übergangswiderstände zwischen den Messinghülsen und dem kohlebeschichteten Keramikröhrchen sein, wobei der Widerstandskörper selbst noch werthaltig ist.
Erst nachdem auf ch ein ein Kontaktierungsfehler am reparierten Rückkopplungskondensator entdeckt und behoben wurde (Lötöse an falscher Netverbindung), wurden beide HF-Stufen lebendig. Das Prüfstift-Signal an C3 kommt nun im Lautsprecher an. Nach diesem Hürdenlauf durch die Schaltung steht nun fest, dass das Chassis grundsätzlich funktioniert. Mit dem Prüfsender kann man sich jetzt daran machen, die Empfindlichkeit und Trennschärfe genauer unter die Lupe zu nehmen. Außerdem fehlt noch ein Test des Sperrfilters und der HF-Lautstärkeregelung.
Abb. 26 überarbeitete Schaltplanversion mit Spannungsangaben, ersetzt Abb. 9
Die Spannungen und Ströme wurden bei genau 220V- gemessen und in die aktuellen Version des Schaltplans eingetragen. Negative Gittervorspannungen wurden gegen die Kathode gemessen. Alle sind als Orientierungswerte zu verstehen, da man die Alterung von Komponenten berücksichtigen muss.
Abb. 27 Chassis nach der Wiederinbetriebnahme
Abb. 28 Rückseite nach der Wiederinbetriebnahme
Abb. 29 Geräteunterseite, Abschirmblech abgenommen
Gerätesicherheit
Netzanschluß und Sicherung
Die Stromaufnahme ist mit etwa 50 Watt angegeben, also ist von einem Gleichstrom von etwa 270 mA bei 220 VDC an der Zuleitung auszugehen. Das Gerät hat zwei Aufnahmen für eine Feinsicherung zu je 500 mA auf der Chassisoberseite.
Gleichspannungsgerät!
- Anschluss von externen Audioeinspielern an die Phonobuchsen nur mit zwischengeschalteten Kondensatoren, der Eingangspegel muss abschwächbar sein. Beim Anschluss externer Lautsprecher beachten: an der oberen Buchse liegen 145 V-.
- Das Gerät sollte nicht ohne Rückwand in Betrieb genommen werden. Auf der Rückwand sollte ein Warnhinweis sein, daß das Gerät nicht an das Wechselspannungsnetz angeschlossen werden darf und ein Gleichspannungsnetzteil zur Versorgung benötigt wird. Es darf kein Wechselspannungsstecker (Schukostecker) am Netzkabel montiert sein.
Zwischen dem Gerät und der externen Gleichspannungsversorgung muß eine verpolungs- und berührungssichere Verbindung geschaffen werden.
Abb. 30 Rückseite mit beiden RückwandteilenVorschaltgerät für Gleichspannung 110/220V-
Beim Einsatz eines Stell-/Trenntrafos genügt es, einen ausreichend leistungsfähigen Gleichrichter mit Siebkette vorzuschalten. Beim Einsatz einer Graetzbrücke direkt am 230V~ liegt die Leerlaufgleichspannung erheblich über 230 V-, mit dem Stelltrafo kann entsprechend eingestellt werden. Das Radio ist polrichtig ohne Erdkontakt anzuschließen. Idealerweise ist eine Strombegrenzung und -sicherung für den Testbetrieb vorzusehen. Die folgende Abbildung zeigt ein vollisoliertes Selbstbau-Versorgungsgerät mit zweipoligem Wechselspannungsstecker zum Anschluß an ein Stell-/Trenntrafo.
Abb. 31 Selbstbaugerät für die externe Gleichstromversorgung
Die Gleichspannung wird verpolungssicher über eine moderne Industriesteckverbindung (HIRSCHMANN BELDEN STAS 200, 250V DC/AC, 6A DC max) an das Rundfunkgerät geleitet. Ein Glimmlämpchen zeigt an, wenn die Betriebspannung am Geräteausgang anliegt. Der Empfänger ist stets eingeschaltet, die Betriebsspannung auf 220 V umgesteckt. Dann mit dem Stelltrafo bis auf etwa 165V~ hochfahren, so daß 220 Volt- am Geräteeingang anliegen.
Links
MONSHAUSEN, Karl-Heinz: STASSFURT Lautsprecher Makrodyn 32 - Schwingspule sitzt fest 2026MONSHAUSEN, Karl-Heinz: STASSFURT G43 Midget Restaurierung (Teil 3) 2026
MONSHAUSEN, Karl-Heinz: Restaurierung von Einklemm-Widerständen 2024
OSRAM GmbH&KG: Urdox und Eisen-Widerstände für Rundfunkgeräte Liste 60, November 1939 RECKE, Jürgen: Logos der Firma Stassfurt in: Stassfurter Rundfunk- und Fernsehgeschichte 2004, S.3
TELEFUNKEN: Röhrenhandbuch 1933
SENGBUSCH, Conrad H. v.: Stassfurter Imperial, eine Chronik in Wort und Bild, Kelkheim 1990 (Schriftenreihe zur Funkgeschichte 2)
STEINMETZ, Andreas: Heizkreisregelröhren U, EW, EU, C (Radiomuseum.org, 2005)